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Freitag 03. November 2017

Das Netzkosten-Märchen: Falsche Annahmen der Netzbetreiber oder Geldgier?

Es war einmal. So fangen alle Märchen an. Auch jenes von Ausbau und Kosten der Netze im Strom- und Gasbereich.

Es war einmal eine Bundesnetzagentur (BNetzA). Die ließ sich Jahr um Jahr aufs Neue von ihren vier Strom-Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) ins Ohr flüstern, wie diese denn in Zukunft mit dem immer mehr werdenden, bösen Wind- und Sonnenstrom im Lande umgehen wollten. „Mehr Leitungen bauen“, säuselten die Vier, die im Osten, Südwesten, Nordwesten und der Mitte Deutschlands ihre Monopole hegen und pflegen, „dann regeln wir das schon.“ Dass dies den Strom immer teurer machen würde, darüber hüllten sie den Mantel des Schweigens.

Doch das interessierte ja die BNetzA auch nicht die Bohne. Denn der ebenfalls von allen Regierungen dieser Republik gehätschelten, viel Strom verbrauchenden Industrie gerade aus dem Stahl- oder Aluminiumsektor hatte man ohnehin schon vorher Schlupflöcher gebaut. Jene aber, welche den Preis für die vielen neuen Leitungen zahlen müssen, also all die Otto Normalstromverbraucher der Republik, von Privatleuten über mittlere bis zu Groß-Unternehmen, die würden sich eh nicht wehren. Da waren sich die Verantwortlichen allerseits ganz sicher.

Und so wurden seit 2011, als in Fukushima mehrere explodierte Kernkraftwerke die deutsche „Energiewende“ einleiteten, 5900 Kilometer (km) Höchstspannungsleitungen geplant. Zuerst hieß es, die sollten spätestens dann fertig sein, wenn alle deutschen Atomreaktoren endgültig abgeschaltet seien, also etwa um 2022 herum. Nach und nach aber ließen die ÜNB Informationshäppchen heraus: Nein, es werde schon etwas länger dauern, die bösen Umweltschützer mit ihren ach so schlimmen Forderungen würden schnelleres Bauen verhindern, war ein Hauptargument. Bis heute sind gerade mal 150 der 5900 km wirklich fertig. Und die halbe ursprünglich versprochene Zeit für alle Leitungen ist bereits um.

Aber wer weiß das schon? Dabei herrscht in diesem unserem Lande bekanntlich absolute Transparenz. Ein jeder Bürger, eine jede Bürgerin könnte sich zum Beispiel auf der Internetseite www.netztransparenz.de/EnWG/Redispatch, selbst ein Bild davon machen, wie die Probleme durch immer mehr Wind- und Solarkraftwerksstrom sich entwickeln. Nein, sie explodieren nicht, sondern implodieren, fallen also geradezu in sich zusammen. Ein Blick in die III. Quartale beispielsweise genügt. Im Jahre 2015 mussten die ÜNB noch 1369 mal ins Stromnetz regelnd eingreifen; „Redispatch“ nennen sie das. Anno 2017 waren im gleichen Vierteljahr gerade noch 880 Eingriffe nötig – ein Drittel weniger also. Über das Zwischenjahr von Juli bis September 2016 mit 543 mal Redispatch hüllen wir gar den Mantel des Schweigens.

Doch die Angst vor Stromausfällen schüren der ÜNB immer weiter. Nur leider passt da eine Meldung von ihnen überhaupt nicht dazu. Ob die denen versehentlich durchgerutscht ist? Das vergangene Jahr 2016 war jenes mit der höchsten Versorgungssicherheit in Deutschland überhaupt – also das mit den wenigsten Stromausfällen bei den Kunden. www.vde.com/de/fnn/themen/versorgungsqualitaet/versorgungszuverlaessigkeit/stoerungsstatistik-2016 Und das fast ohne fertiggestellte neue Höchstspannungsleitungen für Dreh- oder Gleichstrom.

Das alles ist kein Märchen. Genausowenig, wie die Kosten für die Leitungsnutzung Jahr um Jahr nach oben gehen – ob mit oder ohne Netzausbau. Dem strompreisberappenden Kunden wird meist schamhaft verschwiegen: In den Kosten ist viel weniger Umlage für die Erneuerbaren Energien enthalten als Netzgebühren. Und die gehen weiter nach oben; je mehr Netz, umso mehr. Denn bekanntlich bekommen die Betreiber von Übertragungs- wie Verteilnetzen garantierte Renditen. Für die Anteilseigner eine tolle Sache ohne viel Risiko.

Doch eigentlich wäre der Netzausbau gar nicht in dem von BNetzA und ÜNB gewünschten Umfang notwendig: Das haben selbst die sicherlich unvoreingenommenen Fachleute vom VDE in der Studie „Zellularer Ansatz“ deutlich nachgewiesen. Regionale Versorgung, Speicher, Vernetzung und bessere Prognosen würden oft reichen. Viel billiger wäre das allemal. Und von der Bevölkerung wird das mehrheitlich gewünscht, anders als neue Leitungen.

Das Vorausschau-Prinzip könnte übrigens auch bei den Gasnetzen angewendet werden: Die Betreiberverbände haben dies sogar bereits in ihrem Leitfaden „Abwicklung von Standardlastprofilen Gas“ berücksichtigt. Doch werden die einzelnen Netzbetreiber der Empfehlung folgen? Verpflichtet sind sie dazu nicht. So steht zu erwarten, dass sie weiter auf ihre Rendite schauen, statt über den Sinn von Ausbau nachzudenken.

„Mehr Leitungen, weniger Strom- und Gasprobleme“: Das ist offensichtlich keine falsche Annahme, sondern schlichtweg ein Märchen. Es geht darum, mehr Geld in den Beutel zu bekommen. Und solange die Netze nicht wieder echte Staatsaufgabe sind, kassieren die Betreiber einfach weiter.

(Autor: Zukunftsenergie-Team Gammel)

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