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Donnerstag 07. September 2017

Erneuerbare Stromautarkie: Es funktioniert auch ohne Überland-Netz

Erfolgreicher Forschungsbeweis in Wildpoldsried - Na also, geht doch! Da sage noch jemand, „ich habe es nicht gewusst“: Wildpoldsried im Allgäu wurde Ende August erstmals alleine mit Strom aus Erneuerbarer Energie im Inselnetzbetrieb versorgt.

Gut, es war „nur“ ein Test, Teil des Forschungsprojekts IREN2. Ein Abschnitt des Niederspannungsnetzes der für Innovationen bekannten Energiegemeinde wurde „erfolgreich vom öffentlichen Stromnetz abgetrennt und bewusst stromlos gelegt. Das kann zum Beispiel bei einer Störung oder noch schlimmer bei einem „Black-out“ passieren“, erklärten Siemens, AÜW, AllgäuNetz, ID.KOM, RWTH Aachen und Hochschule Kempten danach. Doch diese am Versuch Beteiligten haben es nicht dabei belassen: „In dem Versuch wurde der so genannte „Schwarzstart“ dieses Inselnetzes getestet. Das ließ sich mittels der integrierten dezentralen Erzeugungs- und Speicheranlagen wieder hochfahren und stabilisieren.“

Sprich: Das abgekoppelte Netz lief ganz alleine unterbrechungsfrei wieder hoch und stabilisierte sich. Weshalb „diese Abkoppelung keinerlei Auswirkung auf die Anschlüsse der im Versuch integrierten Haushalte hatte“, wie die Allgäuer Überlandwerk GmbH AÜW begeistert mitteilt.

Das ist nicht nur für AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke „ein wichtiger Meilenstein“. Denn der Erfolg zeigt auch: Wenn spätestens durch das Aus der letzten Kernkraftwerke in fünf Jahren die Regenerativenergie vollständig genutzt und nicht mehr abgeregelt werden soll, dann braucht es regionale Strom-Zellen, die möglichst auch autark funktionieren. Wildpoldsried ist heute schon Mehrfach-Selbstversorger: Siebenmal mehr Energie, als im Ort verbraucht wird, gewinnen dort Solar-, Wind- oder Biokraftwerke. Das macht die Gemeinde zum optimalen Vorführplatz für dezentrale Mikronetze.

Aber es funktioniert auch anderswo. So wurde der Schwarzfall im Verteilnetz erfolgreich im Bürogebäude von Gammel Engineering getestet. „Die Trennung vom Netz hat zu keinerlei Ausfällen oder Schwierigkeiten geführt; dezentrale Erzeuger in Verbindung mit unserem iCube-Speicher haben die sichere Versorgung übernommen“, erinnert sich Geschäftsführer Michael Gammel.

Beim jüngsten Versuch in Wildpoldsried wurde zudem bewiesen: Die Verbraucher brauchen keine Angst zu haben, dass ihre Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien unsicherer wird. Denn am Ende „wurde das Inselnetz wieder unterbrechungsfrei mit dem öffentlichen Netz synchronisiert. Per Knopfdruck wurde auf Inselbetrieb und wieder zurück geschaltet, ohne dabei die Stromversorgung zu unterbrechen“, bestätigt das AÜW, der regionale Netzbetreiber im Allgäu. Was klar zeigt: Die Technik für Dezentralität und auch die künstliche Intelligenz für Mess-, Steuer- und Regeltechnik ist verfügbar und funktioniert. Deshalb könnten genauso Gewerbegebiete sicher versorgt werden: Man braucht nur die entsprechenden dezentralen Energiesysteme zu installieren, zum Beispiel dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungssysteme, wenn`s sein muss auch auf Basis von Erdgas.

Hoffentlich nehmen Energiepolitiker in Bund und Ländern das Testergebnis als Anreiz zum Umdenken, und sie hören und schauen nun endlich einmal auf kleine Gemeinden und Regionalversorger wie in Wildpoldsried und im Allgäu. Denn bisher hängen sie meist an den Lippen der „Großen“ der Stromwirtschaft und der vier Übertragungsnetzbetreiber.

Die Praxiserfahrung in Wildpoldsried ist auf jeden Fall Beruhigung und Herausforderung zugleich für lokale und regionale Energiedienstleister. Denn nun steht fest: Dezentralität geht doch.

Oder andersherum: Ab jetzt kann sich niemand mehr mit dem Satz herausreden: „Ich habe ja nicht gewusst, dass Inselnetze funktionieren.“

(Autor: Zukunftsenergie-Team Gammel)

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