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Donnerstag 17. Mai 2018

Für 100 Prozent Erneuerbar-Strom: Umdenken bei Kraft-Wärme-Kopplung

Nein, eine neue Energiemarktordnung, die wirklich eine 100-prozentige Stromversorgung Deutschlands mit Erneuerbaren Energien möglich macht, die gibt es bislang nicht. Fabio Longo, Vizepräsident der internationalen, überparteilichen Eurosolar-Vereinigung forderte deshalb bei der diesjährigen Stadtwerkekonferenz in Nürnberg „Entscheidungen von der Politik“. Denn dass „der Markt“ schon alles regeln werde, das ist laut Longo nicht zu erwarten.

Den vom Bund via Bundesnetzagentur und Übertragungsnetzbetreiber geplanten mehrtausend Kilometer langen, „gigantischen Ausbau des Höchstspannungsnetzes braucht es für 100 Prozent Erneuerbare nicht. In Gottes Namen ein paar HGÜ- (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-)Trassen. Vor allem aber den Ausbau der Verteilnetze“, dazu sektor-übergreifende Speicher. Doch dazu sind für Longo von der EE-Branche und ihren Lobbyisten wie Eurosolar noch viele dicke Bretter zu durchbohren: „Wir müssen es schaffen, die Beharrungskräfte der Politik zu überwinden.“

Fakt ist: bei 100 % Erneuerbare-Energien-(EE-)Strom ist die Herausforderung, die Erzeugung mit gewaltigen Wind- und Sonnen-Schwankungen und mit den (besser vorhersehbaren) Verbrauchs-Tagesverläufen in Einklang zu bringen. Deshalb wird allüberall an Speichersystemen geforscht, von klein (zum Beispiel Fern-Zugriff auf Batterien in E-Mobilen) bis groß (z.B. unterirdische Pumpspeicherwerke oder Speicherfarmen mit second-life-E-Mobil-Batterien). Überschussstrom per „Power to Heat“ (P2H) oder „Power to Gas“ (P2G) zwischenzuspeichern: Das sind nur zwei unter schier unendlich vielen Möglichkeiten, die hierfür in Betracht kommen.

Uwe Welteke-Fabricius vom „Netzwerk Flexibilisierung für KWK“, kurz Fl(ex)perten, sieht jedoch besonders auf die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) große Chancen zukommen. Wenn es zu einem Stromüberschuss im Netz von bis zu 45 Gigawatt (GW) komme, dann muss die KWK eben einfach ruhen, konstatiert der Fl(ex)perte: „Die künftige sichere Stromversorgung braucht KWK. Aber nicht mehr in Grundlast“, sondern äußerst flexibel. Die Regelleistung werde dabei übrigens nur „ein kleiner Markt im Mengenkorridor“ sein; Welteke-Fabricius rechnet da mit +/- 3 GW. Für kurze Mehr- oder Minderverbrauchszeiten könne KWK ohnehin nicht mit Batterien oder P2H mithalten. Die Krux ist sowieso: Bei allen vier bekannten Regelenergiearten hat es in den letzten Jahren einen drastischen Preisverfall gegeben.

Deshalb plädiert der Fl(ex)perte für eine „radikal andere Auslegung der KWK-Anlagen für bedarfsorientierten Fahrplanbetrieb“. Das Ziel ist „die Residuallastdeckung am Spotmarkt day ahead“ mit typischerweise weniger als zwei Starts der Maschinen pro Tag. Dafür brauche es einerseits eine vielfache Überplanung, zum Beispiel 500 kW Bemessungs- und 2.500 kW installierte elektrische Leistung. Auch dürfe nicht mehr nach dem bisherigen Prinzip „5-7.000 Volllast-Betriebsstunden pro Jahr“ (VBh/a) projektiert werden, sondern mit unter 2.500 VBh/a. Wesentlich größere (Wärme-)Speicher müssten dann Ruhezeiten im Tagesrhythmus oder an den Wochenenden überbrücken.

Laut Uwe Welteke-Fabricius bietet dafür das KWK-Gesetz heute schon den rechtlichen Rahmen: „Wo ein BHKW steht, wird jährlich ein weiteres zugebaut.“ Die günstigen Zinsen und die längere KWK-Zuschlagszahlung ließen das wirtschaftlich zu. Den Zugang zum Spotmarkt schaffe der Betreiber mit einem kompetenten Direktvermarkter: Der sei für die Kommunikation, den Fahrplan und die Steuerung zuständig.

Flexibilisierung, also mehr Leistung und größere Speicher, sei „eine energiepolitische Notwendigkeit. Die lohnt sich schon heute und in Zukunft noch mehr.“ Das steht für Uwe Welteke-Fabricius fest. Obwohl er genauso weiß: „Damit die Flexibilität angereizt wird, müssen alle Preisbestandteile dynamisiert werden: Auch EEG-Umlage, Netzentgelt, Steuern.“ Und schon sind wir wieder beim skeptischen Eurosolar-Vize Fabio Longo. Der rief zwar auch in Nürnberg nach „Entscheidungen von der Politik“. Aber ob und wann die kommen, das steht für ihn in den Sternen.

Was nach wie vor fehlt, ist ein verlässlicher Masterplan für die Energiewende auf Grundlage einer nachhaltigen Strategie – eine kalkulierbare Politik ist die Voraussetzung hierfür!

(Autor: Zukunftsenergie-Team Gammel)

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