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Donnerstag 19. April 2018

Gemeinsame Ausschreibung Sonne-Wind: Die letzten Zuckungen der Altenergien?

Künstliche Konkurrenzsituation statt gemeinsames Vorgehen der Zukunftsenergien

„Solarstrom ist günstiger als Windstrom!“ Einige Medien überschlugen sich fast, als sie die dieser Tage bekannt gewordenen Ergebnisse der ersten „gemeinsamen Ausschreibung“ für Sonnen- und Windkraftwerke vermeldeten.

https://www.bundesnetzagentur.de

Doch was bringt es eigentlich, zu wissen, was „die beste“, „die billigste“, „die versteckteste“, „die …ste“ regenerative Energiequelle ist? Nichts! Denn tatsächlich brauchen wir Erdenbürger, braucht die verantwortliche Politik sie alle, um die Klimaziele zu erreichen. Ob selbst gesteckt oder regierungsamtlich verkündet (und nach hinten geschoben): Um CO2-Ausstoß und Temperaturanstieg zu begrenzen, sind Sonne und Wind, sind Biomasse und Wasserkraft, sind heute noch unbekannte Energiewandler, ist die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, sind innovative Antriebe notwendig. Und es kann nicht sinnvoll sein, einzelne Technologien auszugrenzen, weil „die andere Form besser“ ist.

Wer hätte zum Start des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), also vor weniger als 20 Jahren beispielsweise gedacht, dass Photovoltaik-(PV-)Strom heute zu einem EEG-Aufschlag von unter 4 Cent/Kilowattstunde (C/kWh) produziert werden kann? Niemand. Zur Erinnerung: Damals waren es 99 Pfennig, also etwa 52 Cent pro kWh produzierten Solarstrom, die Betreiber einstreichen konnten. Anfang dieses Jahrtausends war das gerade mal kostendeckend.

Und – wer erinnert sich noch – an eine Energiekonferenz im Ruhrgebiet im Jahr 1992, als ein Referent einen Vortrag mit dem Titel „Windenergie – die wichtigste erneuerbare Energiequelle“ hielt? Es gab nur wenige Menschen, die den Wissenschaftler damals dafür kritisierten und auf die Notwendigkeit für ALLE Erneuerbaren verwiesen.

Dass Sonne, Wind, Biomasse bis heute unterstützt werden müssen – in dem Falle durch das weltweit kopierte EEG-Gesetz vorgegeben – liegt aber nicht daran, dass die „Neuen“ zu teuer sind. Nein: Die Erneuerbaren werden immer wirtschaftlicher. Die Technik-Anbieter und Betreiber tun zudem alles, um wahrlich „marktwirtschaftlich“ agieren zu können. Bei den „Konventionellen“ dagegen war (und ist) die Marktwirtschaft seit weit über 100 Jahren kein Beurteilungskriterium: Nein, im Gegenteil: Die „Alten“ wurden und werden noch immer künstlich verbilligt.

Ein Beispiel ist die nicht ernsthaft erhobene CO2-Steuer. Das sagt selbst das renommierte Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW, das ansonsten oft den Ökoenergien kritisch gegenüber steht. Das findet übrigens auch, dass die EEG-Förderung keine Subvention ist. Weshalb das IfW den EEG-Aufschlag in seiner jährlich aktualisierten Subventionsliste gar nicht erst aufführt.

http://www.dgs.de

Dagegen kritisiert das IfW die massiven Subventionen, welche den Altenergien von Kohle über Öl, Gas und Kernbrennstoffe bis heute zugeschustert werden.

Gerade die nach öffentlicher – oder rückwärtsgerichteter? - Meinung ach so wirtschaftliche Atomkraft ist das genaue Gegenteil. Am Beispiel des zwar noch nicht gebauten, aber hochgelobten Meilers Hinkley Point in Großbritannien sieht man: Betreiber lassen sich nur finden, wenn denen über Jahrzehnte wesentlich höhere Zuschüsse versprochen werden, als die wenigen Cent für Sonnen- oder Windstrom in Deutschland. Ob die Briten mit der Ausschreibung die völkerrechtlichen Aarhus-Verträge eingehalten haben, oder ob selbst nach dem Brexit alle Verbraucher in der EU für diese Energie ohne Endlageridee bezahlen müssen, sind zwei ohnehin offene Fragen.

Doch zurück zu der „gemeinsamen Ausschreibung Sonne Wind“: Viele Insider vermuten, die vom „Veranstalter“ durchgeführte, mit sehr wirren Bedingungen verknüpfte Ausschreibung habe nur eine künstliche Konkurrenzsituation zwischen den beiden, sich in weiten Bereichen ergänzenden Energieformen schaffen sollen. Und wenn man Überschriften liest wie „PV gewinnt gemeinsame Ausschreibung mit Windenergie an Land“

http://www.sonnewindwaerme.de

könnte man denken: Ziel erreicht.

Aber es bleibt zu hoffen, dass die mahnende Stimme des Bundesverbands Erneuerbare Energie BEE stärker als bisher Gehör findet: „Es erscheint nicht sinnvoll, Wind und Solar gegeneinander in den Wettbewerb zu stellen, da beide Technologien für das Gelingen einer kosteneffizienten Transformation des Energiesystems nötig sind.“

https://www.bee-ev.de

Denn sonst könnten die Alt-Energie-Befürworter gegen Genossenschaften und Bürgerenergie wieder Oberwasser gewinnen. Die jetzige „Siegerliste“ der ersten gemeinsamen Ausschreibung – sie reicht von EnBW bis Vattenfall -

https://www.bundesnetzagentur.de

lässt Schlimmstes für die Zukunft befürchten. Bleibt die Hoffnung: Vielleicht sind das ja auch nur die letzten Zuckungen der „alten“ Energiewirtschaft.

 

(Autor: Zukunftsenergie-Team Gammel)

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